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Vielfalt und Konzentration:

Lebensstile stellen die Kirche vor kommunikative Herausforderungen

Die Vielfalt der Lebensbezüge von Kirchenmitgliedern und die Folgerungen für kirchliche Kommunikation standen im Mittelpunkt des ersten Forums Öffentlichkeitsarbeit, zu dem die Evangelische Medienakademie Anfang Dezember 2006 nach Hannover eingeladen hatte.

Die Austrittswellen sind vorbei, die Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche scheint statistisch relativ stabil zu sein. Die Art aber, wie diese Zugehörigkeit gestaltet und gelebt wird, ist sehr unterschiedlich.

Dr. Claudia Schulz beim Referat

Diese Kernthese entwickelte Dr. Claudia Schulz aus den Ergebnissen der 4. Kirchenmitgliedsstudie, (KMU VI) deren erster Auswertungsband im Sommer 2006 erschienen war. Schulz hatte an der Erhebung und der Auswertung als Mitarbeiterin der EKD mitgewirkt.

Erstmalig war in dieser Studie die Frage nach Lebensstilen enthalten. Sechs solcher Stile liessen sich identifizieren:
• den hochkulturell-traditionsorientierten (Typ 1)
• den gesellig-traditionsorientierten (Typ 2)
• den jugendkulturell-modernen (Typ 3)
• den hochkulturell-modernen (Typ 4)
• den do-it-yourself-geprägten, modernen (Typ 5)
• den traditionsorientiert-unauffälligen (Typ 6)

Jeder dieser Stile bilde eigene Vorlieben und Gestaltungsideen aus, wie Kirchenmitgliedschaft persönlich nützlich zu gestalten sei. Dabei sei, so Schulz, die „Orientierung an den Mustern eines Lebensstils ziemlich stabil", ein grundlegender Stilwechsel höchstens bei einschneidenen Wechseln der Lebensphasen vorstellbar (Familiengründung, Pensionierung).

Schulz plädierte dafür, diese Vielfalt wertzuschätzen und mit differenzierten Angeboten zu respektieren. Es gebe inzwischen „unterschiedlichen Logiken der Mitgliedschaft". Zugleich machte sie auf einen Befund aufmerksam, der in den Studien der vergangenen Jahre noch nicht vorgekommen sei: Hatten sich in den vergangenen Studien diejenigen gerechtfertigt, die aus der Kirche ausgetreten waren, so zeigten besonders die Gruppendiskussionen im Rahmen der KMU VI eine Tendenz zur Rechttfertigung bei Kirchenmitgliedern. Diese sein aber immer weniger in der Lage, nachvollziehbare Gründe für ihre Mitgliedschaft zu nennen. „Wer nicht weiß, warum er drinnen ist, könnte auch bald nach draußen gehen", skizzierte Schulz eine der zentralen Herausforderungen für die interne Kommunikation der Kirche.

Diesen Gedanken nahm Udo Hahn in seinem Referat auf: Die „Gewinnung personlicher argumentativer und sprachlicher Kompetenz" bei allen Kirchenmitglieder sei für den Bildungsbereich wie für die Publizistik ein weitreichendes Ziel. Hahn, Leiter des Referates „Medien und Publizistik" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), beklagte, dass sich gegenwärtig im Bereich der Kommunikation etwa 80 % der kirchlichen Ressourcen auf die Gruppe der Hochverbundenen konzentriere, die aber nur 20 % der Kirchenmitglieder ausmache. Hier müsse umgesteuert werden, um die Breite der Kirchenmitglieder in den Blick zu gewinnen.

Hahn plädierte eindrücklich für eine Zusammenarbeit über Landeskirchengrenzen hinweg und für ein abgestimmtes und konzentriertes Handeln auch in publizistischen Fragen. „Wenn wir mit weniger Mitteln mehr Menschen erreichen wollen, geht das nicht mit Denken in den Kategorien der Konkurrenz." Dabei sei der vorrangige „Primärzugang zum Glauben" immer noch ein emotionaler und biografischer, die Intellektualität sei nachgängig. Dies setze der missionarischen Wirkung von Medien klare Grenzen.

(Text und Bilder: Hilmar Gattwinkel)

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